Pressestimmen zum Herbstkonzert 2016

Online-Artikel des Münchner Merkur vom 15.11.2016

Raumfüllende Blechbläser mit sanften Streichern

St. Wolfgang – „In diese Musik kann man sich nicht einfach einhängen. Man fliegt schon nach wenigen Takten aus der Kurve“, warnte Rupert Schäfer das Publikum beim Herbstkonzert der Blechblaskapelle St. Wolfgang in der Goldachhalle.

Schäfers Warnung war nicht übertrieben. Beim „Tanz der Piraten“, der zwar nur zwei Minuten dauerte, aber dafür den Musikanten alles abverlangte, konnte einem schon schwindelig werden, zeigte aber die ganze Klasse der Blechblaskapelle. 34 Musker hatten auf der eng werdenden Bühne Platz genommen. Der Name „Kapelle“ wird langsam zum Understatement: Immerhin war allein das Schlagwerk mit drei Musikern besetzt.

Dramatische Szenen bauten die Musiker vor dem geistigen Auge ihres Publikums auf, wie etwa den Auftritt des „Mephisto“ in Goethes „Faust“, wie ihn Charles Gounod in Noten gefasst hat. Starke Arrangements konnten sie realisieren vor den rund 500 Gästen, die mit Beifall nicht sparten.

Im ersten Teil dominierte die Klassik, und hier konnten sich auch die Solisten Lisbeth Genghammer (Zither), Lydia Ulrich-Riedl (Flöte), Anita Weiskopf (Harfe) und der im ganzen Konzert viel beschäftigte Rupert Schäfer (Kontrabass) hervortun. Die Einbindung der leisen Saiteninstrumente in das ansonsten über weite Strecken geradezu wuchtige und raumgreifende Blasorchester war ein interessantes Experiment, das auch von den Gästen eine Menge Disziplin abverlangte, denn die Zither ist von Haus aus nicht für Mehrzweckhallen gedacht.

Der Applaus galt aber auch der Jugend unter der Leitung von Markus Eberl, die den ersten Teil des Konzertabends maßgeblich mit gestaltete. Auch sie war nicht nur personalstark: 38 junge Musikanten kann der Verein auf die Bühne bringen. Was diese ablieferten, ließ selbst den Kreisheimatpfleger Hartwig Sattelmair staunen. „Das ist ganz großartig“, so sein Befund nach der gelungenen Aufführung von „Bilder einer Ausstellung“, dem Hauptwerk des Komponisten Modest Mussorgsky. Claus-Peter Wittmann dirigierte das Jugendorchester mit großartiger Besetzung.

Aber auch der zweite Dirigent Rupert Schäfer, der sich das selten gehörte Stück „Schneidig vor“ von Julius Fucik vorgenommen hatte, überzeigte mit seinen Musikern. Daneben gab es Informationen zu den Stücken und deren Komponisten, was vielleicht auch dazu beitrug, dass die vielen jungen Menschen im Saal etwas haben mitnehmen können. Das begeisterte Publikum jedenfalls ließ die Musikanten nicht ohne Zugabe von der Bühne. (Klaus Kuhn)

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